IFM Vorsitzender auf PR Tour

Mit Engagement und Leidenschaft setzte sich IFM Sprecher Daniel Mennicken in den letzten Wochen für die Belange der freien Musikze20170905_170015ne ein. Im Interview mit O-Ton und im Studio bei Domradio stellte er sich den Fragen der Journalisten, die erfahren wollten, was – außer Geld – die freie Szene noch so braucht, warum die Musiknacht bei freiem Eintritt stattfindet und was seine persönlichen Konzert-Tipps für den Abend sind. Beide Interviews sind demnächst zu lesen und zu hören und wir informieren sobald es soweit ist. Am kommenden Mittwoch um 11 Uhr findet im Grafiksaal des MAKK das Pressegespräch zur Musiknacht statt. Auch dazu gibt es hier danach einen Eintrag mit aktuellen Informationen rund um die Veranstaltung.

Music Movies in Arbeit

Während die Künstlerinnen und Künstler ihre Programme für die Kölner Musiknacht proben, drehen Jugendliche aus Köln und der Region kleine Filme – die „Music Movies“. Sie bringen nicht nur dem Publikum, sondern vor allem auch den Jugendlichen selbst näher was es heißt, als freier Musiker in Köln zu leben.

Am letzten Wochenende trafen Simon und David aus Köln den Pianisten Martin Tchiba im Bechstein Centrum. Die beiden haben vor Jahren selbst einmal Musik gemacht, kannten sich aber aus einem Sportverein. In der Schule war David schon mit Kurzfilmen in Berührung gekommen und beide Jugendlichen nutzten den Tag nicht nur, um einen Kölner Künstler zu treffen, sondern auch, um etwas über das Filmen zu lernen. Das Interview war erstklassig vorbereitet, so der Filmemacher Gerhard v. Richthofen, der sich schon darauf freut, die beiden im Schneideraum und am 30. September in der Musiknacht wiederzusehen

CIMG0022

Tabea und Pauline aus Brühl haben die Banda Scintilla in der Musikhochschule besucht und mit ihnen natürlich auch über Musik gesprochen. Beide Mädchen spielen ein Instrument, haben aber vor ihrem Treffen mit dem Kölner Ensemble noch nie Alte Musik gehört. Auf unsere Frage, was sie nun von dieser Musikrichtung halten, sagen beide: „Alte Musik kannten wir nur unbewusst aus Märchenfilmen. Jetzt wissen wir auf jeden Fall mehr über die Musikrichtung und haben auch eine andere Verbindung zu Ihr. Wir finden, wenn man einmal etwas „live“ gehört hat, hat man grundsätzlich ein anderes Verhältnis zu den Stücken oder der Musik, weil man mehr Empfindungen mit Ihr verbindet. Wenn es sich mal ergibt, würden wir auch gerne auf ein Konzert gehen auf dem Alte Musik gespielt wird.“ Naja, die erste Gelegenheit dazu ist ja dann die Kölner Musiknacht. Tabea und Pauline freuen sich jetzt schon auf den Auftritt der Banda Scintilla und auf die Präsentation des fertigen Kurzfilms. Sie haben uns außerdem versprochen, noch ein paar Freunde mit zu bringen, denn Live-Musik schafft eben Empfindungen!

Kölner Musiknacht 2017 – kompakt und Eintritt frei

Freiheit! Ein großer Begriff nicht nur für Künstler. Frei von Zwängen, Kommerz und Main-Stream sollten freie Künstler ihre kreativen Ideen entwickeln, Impulse setzen, Kultur bereichern, Welt verändern. Die Kölner Musikszene gehört in diesem Bereich zu den deutschlandweit interessantesten und produktivsten. Durch die politische Arbeit des Initiativkreis Freie Musik, der seit 2005 auch die Kölner Musiknacht organisiert, wurde in Sachen Wertschätzung der Feien Szene eine Menge erreicht. Für mehr als knapp 3 % des städtischen Kulturhaushaltes hat es allerdings bislang noch nicht gereicht.

Deshalb setzen die Macher des musikalischen Großereignisses in Köln in diesem Jahr ein Zeichen und bringen nur so viele Konzerte an den Start wie auch angemessen bezahlt werden können.Und genau deshalb ist die Kölner Musiknacht diesmal „kompakt“.

Unsere Facebook-Kampagne haben wir heute gestartet. Ab sofort erfahren Sie hier in unregelmäßigen Abständen Neues aus dem Backstage-Bereich. Und eins steht fest: es wird wieder spannend!

Music Movies – Der Blick hinter die Kulissen

So nah kommt man ihnen selten, den Künstlerinnen und Künstlern der Kölner Musiknacht. In sechs Videos, die dank einer Förderung durch die RheinEnergie Stiftung Kultur, die WvM Immobilien + Projektentwicklung GmbH und den Landesmusikrat NRW möglich wurden, erlebt man Kölner Ensembles bei der Arbeit in ihren Probenräumen, zuhause und im Interview. Authentisch, hautnah, unverstellt. Wo sie herkommen, wie sie sich gefunden haben, was sie verbindet. Warum ein Gitarrist keine lackierten, sondern ‚gegelte’ Fingernägel hat, wieso es schön ist, Kunst ganz ohne Nutzen zu schaffen und warum Programme immer aus dem Herzen kommen. Ein Blick hinter die Kulissen, der berührt und informiert. Alle Videos wurden im Rahmen eines Workshops von Kölner Jugendlichen (und einem Rentner) gemeinsam mit dem Filmemacher Gerhard von Richthofen gedreht.

Klassik in der Musiknacht

Neben den vielen Konzerten mit experimenteller, improvisierter und aktueller Musik gibt es in der Kölner Musiknacht auch die Sparte „Klassik“. Sieben Programme inklusive zweier Chorkonzerte lassen sich hier einordnen und damit bietet dieser Bereich eine ebenso große Auswahl wie die anderen Sparten. Für die Sängerin und Gesangspädagogin Nicola Möllers und ihre KollegInnen in der Programmgruppe birgt die Klassik mindestens ebenso viel Farbenreichtum und Abwechslung wie die experimentellen Sparten, die, so Möllers, „irgendwie doch das Image der Musiknacht prägen. Viele Konzertbesucher assoziieren mit der Musiknacht eher das Schräge, Außergewöhnliche und damit Experimentelle. Umso wichtiger ist es, auch das Vertraute, Bewahrende abzubilden, das in der Musikszene ja nach wie vor einen hohen Stellenwert hat.“ Eine große Orchesterformation ist zwar nicht dabei – dafür aber verschiedenste kammermusikalische Besetzungen.

So kann die klassische Musik an der ein oder anderen Stelle ein Ruhepol für Musiknacht-Wanderer sein. Was so ganz und gar nicht heißt, dass hier alles gleich klingt oder gar Langeweile aufkommt! Zwischen leisen, verträumten Tönen und feuriger Leidenschaft bilden die Konzerte eine große Bandbreite an Stimmungen und musikalischen Genres ab. Ganz neu und erstmalig im Programm: Ein Literaturkonzert zum „Zurücklehnen und Genießen“, so Nicola Möllers. Im Programm „Musik bei den Buddenbrooks“ erklingen Stücke u.a. von Schumann, Wagner, Liszt und Bach, die Thomas Mann selbst zum Inhalt seines gleichnamigen Romans gemacht hat. Die Schauspielerin Sibylle Bertsch und der Pianist Cosmin Boeru gestalten ein besonderes Konzertformat.

Zwei Pianistinnen von Format haben sich zum DUO EL² CONTRASTE zusammen getan und spielen nicht nur mit ihrem Namen, sondern vor allem mit Temperament. Eleonora Reznik und Elnara Ismailova ziehen einen Spannungsbogen mit Klaviermusik aus Romantik und Neuzeit. Als Duo geben sie ihr Musiknacht-Debüt. „Nachtgesang“ heißt das Programm der äußerst renommierten Truppe aus Nina Tichman, Beate Zelinsky und David Smyers. Sie präsentieren das klangliche Farbenspiel der Klarinettenfamilie.

Um nächtliche Stimmungen geht es auch beim Aulos Flötenquartett, das dem Publikum sehr spannende Bearbeitungen klassischer Stücke für vier Querflöten präsentiert. Wer die leisen Klänge liebt, der ist bei dem spanischen Programm für Gitarre solo mit Rachel Schiff genau richtig.

Noch einmal „nächtlich“ geht es im Programm der Kartäuserkantorei Köln zu, die romantische Chormusik rund um die Themen Nacht, Natur und Liebe darbietet. Und last but not least ist im Hohen Dom zu Köln natürlich die Domkantorei Köln zu hören, die kurz vor ihrer England-Tournee dem Kölner Publikum ihr aktuelles Programm präsentiert.

Verweilen, genießen, in Vertrautem schwelgen – dazu lädt die Programmgruppe „Klassik“ alle Musiknachtbesucher herzlich ein!

Im Fokus – Das Edelweißpiratenfestival

Die Veranstalter der Kölner Musiknacht möchten jedes Jahr eine Initiative der Kölner Musikszene in den Fokus stellen und machen in dieser Ausgabe mit dem Edelweißpiratenfestival einen Anfang. Wir haben mit Jan Krauthäuser, dem Vorstand des Edelweißpiratenclubs e.V., gesprochen.

– Seit wann bist du im IFM aktiv?

Im IFM selbst, also ausserhalb der KMN-Programmgruppe, bin ich erst seit circa einem Jahr aktiv. Ich bin Mitglied der Konzept-Gruppe, die versucht, neue Perspektiven zu entwickeln. Ich glaube, dass gerade die freie Musikszene eine enormes Wirkungs-Potential für das Wohlergehen dieser Stadt hat. Dieses Potential ist bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Deshalb lohnt es sich, für bessere Rahmenbedingungen zu kämpfen.

– Warst du von Anfang an Mitglied in der Programmgruppe Weltmusik bzw. seit wann gibt es die Sparte?

Ja. Ich bin vor fünf oder sechs Jahren von der Musiknacht-Leitung gefragt worden, ob ich Lust hätte bei der neuen Programmgruppe Weltmusik mitzuwirken. Ich habe mich gefreut, dass man der musikalischen Vielfalt mehr Aufmerksam widmen wollte und habe gern zugesagt. Auch weil ich die Musiknacht bis dahin als etwas zu elitär oder verkopft wahrgenommen habe. Gemeinsam mit meiner Kollegin Alexandra Kalka habe ich deshalb auch eine sehr offene Definition von Weltmusik vertreten, von iranischer Klassik über afrikanischem Pop bis zu kölschem Folk…

– Welche Bedeutung hat die Weltmusik in einer Stadt wie Köln?

Die sogenannte Weltmusik ist für Köln in vieler Hinsicht wichtig. Einerseits verbessert sie das soziale und kulturelle Klima innerhalb der Stadt. Andererseits verleiht sie Köln den Klang einer weltoffenen Metropole. Es gibt nicht wenige Zugereiste, für die die Worldmusic-Szene ein wichtiges Argument war, in Köln zu bleiben. Der Schriftsteller Navid Kermany erwähnte das übrigens kürzlich in einem Stadtrevue-Interview. Gerade die mitgebrachte Popularmusik – traditionelle wie moderne – begünstigt einen direkten, emotionalen Kontakt zwischen sehr unterschiedlichen Bürgern. Und Vielfalt ist zudem natürlich immer ein ganz wichtiger Innovationsmotor.

Musik war eigentlich schon immer Weltmusik. Denn Musiker sind seit Jahrtausenden von Ort zu Ort gezogen und haben den Kultur- und Informations-Austausch ganz wesentlich vorangebracht. In Europa ist das seit Jahrhunderten u.a. die Domäne der Zigeunermusiker, deren ganzheitliches Wissen und Können leider zu verschwinden droht. Deshalb arbeite ich zur Zeit mit Kölner Zigeunerkünstlern an Gegenstrategien. Für sie ist die Musiknacht eine wichtige Plattform.

– Erzähle uns etwas über das Edelweißpiratenfestival.

Das Edelweißpiratenfestival ist als Fortführung eines Musikprojektes des NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln entstanden. Wir hatten damals überwiegend junge Kölner Musiker beauftragt, die alten Edelweißpiratenlieder neu zu interpretieren. Wir haben sie dafür mit den letzten lebenden Zeitzeugen zusammengebracht. Diese Kooperationen waren so inspirierend, dass wir das verstetigen wollten. Das Festival sollte einerseits zur Rehabilitation der mutigen und musikbegeisterten „Antihitlerjugend“ beitragen. Andererseits bot es die Möglichkeit, diese Bewegung als Vorbild für eine weltoffene Heimatkultur zu nutzen, in der Musik mal nicht nach Genre oder Moden sortiert wird, sondern sich einem wichtigen regionalen Thema widmet. Dem erklärten Ziel, das Andenken der Edelweißpiraten im Brauchtum zu verankern, sind wir durch unser jährliches Festival und viele flankierende Maßnahmen schon recht nahe gekommen.

– Wie kam es zu der Kooperation mit der Kölner Musiknacht?

Ich habe bei der Diskussion über die Entwicklung der Musiknacht für eine weitere Öffnung sowie inhaltliche Schwerpunkte plädiert. Prompt hat mich Maria Spering gefragt, ob ich nicht eines „meiner“ Projekte einbringen wolle. So haben wir dann der IFM AG Entwicklung der Musiknacht das Edelweißpiratenfestival-Special vorgeschlagen. Insbesondere auch, weil es viele junge, unangepasste Musikfans mobilisieren kann. Obwohl oder weil es nicht nur multikulturell, sondern auch intergenerativ funktioniert. Immerhin pilgern seit nunmehr elf Jahren jeden Sommer um die 5.000 Menschen in den Friedenspark und werden immer wieder von der unerschöpflichen Vielfalt der Kölner Musikszene begeistert. Dazu kommen natürlich auch Informationen zu den Edelweißpiraten und verwandten Themen. Dank der Unterstützung des LVR können wir unser Festival neuerdings sogar mit einem CD-Buch dokumentieren, das wir auch im VHS-Forum vorstellen werden.

Weiterführende Informationen: www.facebook.com/Edelweisspiratenfestival

Improvisation in der Musiknacht

Fachleute wissen es: „Improvisieren“ ist mehr als nur eine „Lebenseinstellung“, die man sich theoretisch aneignen kann. Improvisation ist vielmehr eine Art der Selbstformung, die man nur selbst lernen und trainieren kann. Jeder kann, nein, muss seine Improvisationen selbst einstudieren und programmieren.

Improvisation und Programm – ist das dann nicht an sich schon ein Widerspruch?
„Nein“, meint eine der Kuratorinnen dieser Sparte, Elisabeth Coudoux, „improvisierte Musik ist genau wie Jazz, Neue Musik und Elektronik eine aktuelle Spielhaltung, die flexibel und neugierig aktuelle Einflüsse und Themen aufgreift und verarbeitet. Dabei setzt Improvisierte Musik ein Höchstmaß an individueller Sprache, Entscheidungskraft, Kreativität und Flexibilität voraus.“

Passend bringt das Programmteam Improvisation nicht nur ein offenes Auge und ein geschultes Gehör mit, sondern auch die Fähigkeit der Abstraktion. Nach welchen Kriterien haben sie also ausgewählt? „Die Qualität der einzelnen Musiker/-innen, bzw. der Ensembles und innovative Ideen waren für uns ausschlaggebend. Wir wollten neue, interessante Ensembles einer starken Szene einem interessierten und breiten Publikum präsentieren“, erklärt Coudoux. „Improvisierte Musik ist eine kurzfristige Kunst, bei der es besonders wichtig ist, immer wieder neue Ideen umzusetzen und zu präsentieren. In der Auswahl für die Musiknacht haben wir dieser Haltung Raum gegeben.

Entstanden ist daraus eine gelungene Mischung aus starken Vertretern der aktuellen improvisierten Musik, die über die Kölner Grenzen hinaus bekannt sind. Alle haben die angebotenen Programme neu entwickelt: das Trio Cajlan-Wissel-Nillesen (WDR Funkhaus), Duo Omelchuk/Herzog (Kunst-Station Sankt Peter), STROM (Fritz-Thyssen Stiftung) und Carl Ludwig Hübsch mit seiner besonderen Tuba (HDAK-Kubus). Selbst der fünfte Vertreter der Sparte verweist schon mit seinem Ensemblenamen Dadavoodoo auf eine zumindest sehr ungewöhnliche Hommage an 100 Jahre Dada (Antoniterkirche).

Insgesamt beurteilt die Kuratorin die Entwicklung der freien Improvisation positiv, sieht diese aber in einem Spagat. Denn einerseits scheinen ihre Vertreter gegenüber dem musikalischen Mainstream immer mehr an Aufmerksamkeit und Interesse einzubüßen, andererseits wird die Szene immer reichhaltiger und vielzelliger, mit immer mehr Protagonisten. „Es ist nicht einfach, die erforschten Inhalte von Kunst und Musik einem Publikum auf abstrakten Wegen zu zeigen. Doch muss es nicht immer kompliziert sein. Im Moment vermischen sich zum Glück mehr und mehr die Stile“, findet Elisabeth Coudoux und verweist auf ein in Köln neu gegründetes, junges Kollektiv für freie Improvisation: IMPAKT (www.impakt-koeln.de.)

Wie schon die anderen Zusammenschlüsse in der Kölner Freien Musikszene hat sich auch dieses Kollektiv zum Ziel gesetzt, die Protagonisten der Improvisierten Musikszene in Köln zu vernetzen, Publikum dafür zu begeistern und Internationale Künstler nach Köln einzuladen. Auf der Onlineplattform und in einem Newsletter, werden alle Konzerte, die jeden Monat in Köln stattfinden und die besten Musiker der Welt präsentieren, regelmäßig gesammelt und angekündigt. Eine einmalige Gelegenheit, ein gutes Konzert in Köln zu erleben! Und das ist letztlich auch die Absicht der Programmgruppe Improvisation, dem Publikum neue musikalische Wege zu zeigen und für solche außergewöhnlichen Installationen und Improvisationen zu begeistern – und zwar auch außerhalb der Musiknacht, damit die verschiedenen Darbietungen der Improvisationskünstler aus dem Verborgenen herausgeholt werden.

MusicMovies 2016! Eine Kostprobe

Auf der Pressekonferenz zur Kölner Musiknacht gab es ein „Preview“ eines der MusicMovies, die derzeit im Rahmen der neuen Jugendworkshops zur Kölner Musiknacht entstehen. Hanna und Livia  haben mit einem Kurzfilm über das Forseti Quartett einen super ersten Aufschlag gemacht und wir freuen uns schon auf die nächsten kreativen Ideen. Alle MusicMovies über Ensembles der Kölner Musiknacht gibt es dann am 17. September um 18 Uhr im Kölnischen Kunstverein.

 

 

Chansons in allen Variationen    

2014, anlässlich der 10. Kölner Musiknacht mit dem Thema „unterwegs“ überraschte Lisa Glatz, eine der beiden Kuratorinnen der Sparte mit dem Arbeitstitel „Andere“, Fahrgäste der Kölner U-Bahn mit Gesang. Der von ihr zusammengestellte „Flashmobchor“ mit Sänger/-innen aus verschiedenen Chören und Vokalensembles warb mit der Darbietung verschiedener Evergreens für die Musiknacht. Wie Lisa Glatz gehört auch die zweite Kuratorin, Irene Kurka, zum „Urgestein“ der Freien Musikszene der Domstadt und damit auch der Institution Kölner Musiknacht. Mal als Sängerin, mal als Kuratorin, mal für beides engagiert sie sich – in diesem Jahr kuratieren die beiden gemeinsam die noch relativ junge Sparte, die intern unter dem Titel „Andere“ läuft.

Während in den vergangenen Jahren die Kombinationen Klassik/Romantik, bzw. Chöre/Orgel und teilweise auch Jazz/Improvisation unter diese Rubrik fielen und in der Zwischenzeit entweder zu einer eigenen Sparte heranwuchsen oder ganz rausgefallen sind, ist diesmal alles ein bisschen anders. „Aufgrund einer Vielzahl von Angeboten ergab es sich, das musikalische Angebot der Musiknacht auch auf Chansons im Crossover auszuweiten“, berichtet Irene Kurka und man merkt ihr die Freude an. Spannend fanden die beiden Kuratorinnen zudem, dass so unterschiedliche Projekte angeboten werden, in denen sich Musikgenres und Sparten überschneiden und die stilistisch auf den ersten Blick gar nicht zusammenzupassen scheinen. Denn überraschend gute Programmideen kommen aus dem Bereich Chanson/Kabarett und überzeugten mit einer oftmals theatralischem Facette.

Nachdem die Qual der Auswahl hinter ihnen lag, tat sich das Duo mit der Entscheidung nicht mehr schwer. „Wichtig war für uns, dass sich die Angebote als interessant erwiesen. Ausschlaggebend war uns ohnehin die Qualität des Programmangebotes und dass die Mischung ausgewogen ist.“ Sechs Angebote haben sich durchgesetzt, die unterschiedlicher kaum sein könnten.

Auf Jazz gemischt mit Chansons treffen die Besucher in „Reisefieber – eine musikalisch-literarische Reise im Orientexpress“ angeführt von der Jazz-Chanson-Sängerin mit polnisch-deutschen Wurzeln Margaux Kier. Einen dynamischen Cross-Over aus Musical, Jazz, Chanson und Pop bieten Gabi Schmidt und Philip Roesler mit „Noirrouge – zu schön für Jazz“, (beide Dom-Forum). Mit Annette Maye und Verena Guido haben sich noch zwei sehr profilierte Musikerinnen der Kölner Szene gefunden: Die frisch gebackene Preisträgerin des Künstlerinnenpreises NRW 2016, Annette Maye und Verena Guido, Sängerin der Band Ballhaus, zeigen mit großer Spielfreude vielfarbige Arrangements (Fritz Thyssen Stiftung). Natürlich darf kein Chansonprogramm auf Jacques Brel verzichten, dem die Sängerin Hildegard Meier, begleitet von Wolfgang Jaegers, Akkordeon huldigt (Käthe-Kollwitz Museum). Ohne den Bezug zum Original zu verlieren, interpretiert sie bekannte und weniger bekannte Chansons des Meisters mit je eigenem Charme und Ausdruck.

Unbekannte Chansons von bekannten Komponisten der goldenen 20er hat die Sängerin und Schauspielerin Anne Simmering „ausgegraben“. Zusammen mit dem Pianisten und Akkordeonisten Harald Rutar wird sie diese – auch auf ihrer Ukulele – gestalten (Aula der Kirche St. Aposteln). Und zur besten Sendezeit lädt Nicolai Pfeffer, der Meister der Klarinette, begleitet vom Pianisten Felix Wahl zu Brahms, Berg und Poulenc ein (WDR Funkhaus). Insgesamt verspricht die Sparte „Andere“ wieder eine bunte Mischung theatraler und kabarettistischer Interpretationen bekannter und unbekannter Chansons – nicht zuletzt auch in dem Bestreben, der Musiknacht auch diese Facette einzuverleiben und neue Besucher anzusprechen.