Music Movies – Der Blick hinter die Kulissen

So nah kommt man ihnen selten, den Künstlerinnen und Künstlern der Kölner Musiknacht. In sechs Videos, die dank einer Förderung durch die RheinEnergie Stiftung Kultur, die WvM Immobilien + Projektentwicklung GmbH und den Landesmusikrat NRW möglich wurden, erlebt man Kölner Ensembles bei der Arbeit in ihren Probenräumen, zuhause und im Interview. Authentisch, hautnah, unverstellt. Wo sie herkommen, wie sie sich gefunden haben, was sie verbindet. Warum ein Gitarrist keine lackierten, sondern ‚gegelte’ Fingernägel hat, wieso es schön ist, Kunst ganz ohne Nutzen zu schaffen und warum Programme immer aus dem Herzen kommen. Ein Blick hinter die Kulissen, der berührt und informiert. Alle Videos wurden im Rahmen eines Workshops von Kölner Jugendlichen (und einem Rentner) gemeinsam mit dem Filmemacher Gerhard von Richthofen gedreht.

Klassik in der Musiknacht

Neben den vielen Konzerten mit experimenteller, improvisierter und aktueller Musik gibt es in der Kölner Musiknacht auch die Sparte „Klassik“. Sieben Programme inklusive zweier Chorkonzerte lassen sich hier einordnen und damit bietet dieser Bereich eine ebenso große Auswahl wie die anderen Sparten. Für die Sängerin und Gesangspädagogin Nicola Möllers und ihre KollegInnen in der Programmgruppe birgt die Klassik mindestens ebenso viel Farbenreichtum und Abwechslung wie die experimentellen Sparten, die, so Möllers, „irgendwie doch das Image der Musiknacht prägen. Viele Konzertbesucher assoziieren mit der Musiknacht eher das Schräge, Außergewöhnliche und damit Experimentelle. Umso wichtiger ist es, auch das Vertraute, Bewahrende abzubilden, das in der Musikszene ja nach wie vor einen hohen Stellenwert hat.“ Eine große Orchesterformation ist zwar nicht dabei – dafür aber verschiedenste kammermusikalische Besetzungen.

So kann die klassische Musik an der ein oder anderen Stelle ein Ruhepol für Musiknacht-Wanderer sein. Was so ganz und gar nicht heißt, dass hier alles gleich klingt oder gar Langeweile aufkommt! Zwischen leisen, verträumten Tönen und feuriger Leidenschaft bilden die Konzerte eine große Bandbreite an Stimmungen und musikalischen Genres ab. Ganz neu und erstmalig im Programm: Ein Literaturkonzert zum „Zurücklehnen und Genießen“, so Nicola Möllers. Im Programm „Musik bei den Buddenbrooks“ erklingen Stücke u.a. von Schumann, Wagner, Liszt und Bach, die Thomas Mann selbst zum Inhalt seines gleichnamigen Romans gemacht hat. Die Schauspielerin Sibylle Bertsch und der Pianist Cosmin Boeru gestalten ein besonderes Konzertformat.

Zwei Pianistinnen von Format haben sich zum DUO EL² CONTRASTE zusammen getan und spielen nicht nur mit ihrem Namen, sondern vor allem mit Temperament. Eleonora Reznik und Elnara Ismailova ziehen einen Spannungsbogen mit Klaviermusik aus Romantik und Neuzeit. Als Duo geben sie ihr Musiknacht-Debüt. „Nachtgesang“ heißt das Programm der äußerst renommierten Truppe aus Nina Tichman, Beate Zelinsky und David Smyers. Sie präsentieren das klangliche Farbenspiel der Klarinettenfamilie.

Um nächtliche Stimmungen geht es auch beim Aulos Flötenquartett, das dem Publikum sehr spannende Bearbeitungen klassischer Stücke für vier Querflöten präsentiert. Wer die leisen Klänge liebt, der ist bei dem spanischen Programm für Gitarre solo mit Rachel Schiff genau richtig.

Noch einmal „nächtlich“ geht es im Programm der Kartäuserkantorei Köln zu, die romantische Chormusik rund um die Themen Nacht, Natur und Liebe darbietet. Und last but not least ist im Hohen Dom zu Köln natürlich die Domkantorei Köln zu hören, die kurz vor ihrer England-Tournee dem Kölner Publikum ihr aktuelles Programm präsentiert.

Verweilen, genießen, in Vertrautem schwelgen – dazu lädt die Programmgruppe „Klassik“ alle Musiknachtbesucher herzlich ein!

Im Fokus – Das Edelweißpiratenfestival

Die Veranstalter der Kölner Musiknacht möchten jedes Jahr eine Initiative der Kölner Musikszene in den Fokus stellen und machen in dieser Ausgabe mit dem Edelweißpiratenfestival einen Anfang. Wir haben mit Jan Krauthäuser, dem Vorstand des Edelweißpiratenclubs e.V., gesprochen.

– Seit wann bist du im IFM aktiv?

Im IFM selbst, also ausserhalb der KMN-Programmgruppe, bin ich erst seit circa einem Jahr aktiv. Ich bin Mitglied der Konzept-Gruppe, die versucht, neue Perspektiven zu entwickeln. Ich glaube, dass gerade die freie Musikszene eine enormes Wirkungs-Potential für das Wohlergehen dieser Stadt hat. Dieses Potential ist bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Deshalb lohnt es sich, für bessere Rahmenbedingungen zu kämpfen.

– Warst du von Anfang an Mitglied in der Programmgruppe Weltmusik bzw. seit wann gibt es die Sparte?

Ja. Ich bin vor fünf oder sechs Jahren von der Musiknacht-Leitung gefragt worden, ob ich Lust hätte bei der neuen Programmgruppe Weltmusik mitzuwirken. Ich habe mich gefreut, dass man der musikalischen Vielfalt mehr Aufmerksam widmen wollte und habe gern zugesagt. Auch weil ich die Musiknacht bis dahin als etwas zu elitär oder verkopft wahrgenommen habe. Gemeinsam mit meiner Kollegin Alexandra Kalka habe ich deshalb auch eine sehr offene Definition von Weltmusik vertreten, von iranischer Klassik über afrikanischem Pop bis zu kölschem Folk…

– Welche Bedeutung hat die Weltmusik in einer Stadt wie Köln?

Die sogenannte Weltmusik ist für Köln in vieler Hinsicht wichtig. Einerseits verbessert sie das soziale und kulturelle Klima innerhalb der Stadt. Andererseits verleiht sie Köln den Klang einer weltoffenen Metropole. Es gibt nicht wenige Zugereiste, für die die Worldmusic-Szene ein wichtiges Argument war, in Köln zu bleiben. Der Schriftsteller Navid Kermany erwähnte das übrigens kürzlich in einem Stadtrevue-Interview. Gerade die mitgebrachte Popularmusik – traditionelle wie moderne – begünstigt einen direkten, emotionalen Kontakt zwischen sehr unterschiedlichen Bürgern. Und Vielfalt ist zudem natürlich immer ein ganz wichtiger Innovationsmotor.

Musik war eigentlich schon immer Weltmusik. Denn Musiker sind seit Jahrtausenden von Ort zu Ort gezogen und haben den Kultur- und Informations-Austausch ganz wesentlich vorangebracht. In Europa ist das seit Jahrhunderten u.a. die Domäne der Zigeunermusiker, deren ganzheitliches Wissen und Können leider zu verschwinden droht. Deshalb arbeite ich zur Zeit mit Kölner Zigeunerkünstlern an Gegenstrategien. Für sie ist die Musiknacht eine wichtige Plattform.

– Erzähle uns etwas über das Edelweißpiratenfestival.

Das Edelweißpiratenfestival ist als Fortführung eines Musikprojektes des NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln entstanden. Wir hatten damals überwiegend junge Kölner Musiker beauftragt, die alten Edelweißpiratenlieder neu zu interpretieren. Wir haben sie dafür mit den letzten lebenden Zeitzeugen zusammengebracht. Diese Kooperationen waren so inspirierend, dass wir das verstetigen wollten. Das Festival sollte einerseits zur Rehabilitation der mutigen und musikbegeisterten „Antihitlerjugend“ beitragen. Andererseits bot es die Möglichkeit, diese Bewegung als Vorbild für eine weltoffene Heimatkultur zu nutzen, in der Musik mal nicht nach Genre oder Moden sortiert wird, sondern sich einem wichtigen regionalen Thema widmet. Dem erklärten Ziel, das Andenken der Edelweißpiraten im Brauchtum zu verankern, sind wir durch unser jährliches Festival und viele flankierende Maßnahmen schon recht nahe gekommen.

– Wie kam es zu der Kooperation mit der Kölner Musiknacht?

Ich habe bei der Diskussion über die Entwicklung der Musiknacht für eine weitere Öffnung sowie inhaltliche Schwerpunkte plädiert. Prompt hat mich Maria Spering gefragt, ob ich nicht eines „meiner“ Projekte einbringen wolle. So haben wir dann der IFM AG Entwicklung der Musiknacht das Edelweißpiratenfestival-Special vorgeschlagen. Insbesondere auch, weil es viele junge, unangepasste Musikfans mobilisieren kann. Obwohl oder weil es nicht nur multikulturell, sondern auch intergenerativ funktioniert. Immerhin pilgern seit nunmehr elf Jahren jeden Sommer um die 5.000 Menschen in den Friedenspark und werden immer wieder von der unerschöpflichen Vielfalt der Kölner Musikszene begeistert. Dazu kommen natürlich auch Informationen zu den Edelweißpiraten und verwandten Themen. Dank der Unterstützung des LVR können wir unser Festival neuerdings sogar mit einem CD-Buch dokumentieren, das wir auch im VHS-Forum vorstellen werden.

Weiterführende Informationen: www.facebook.com/Edelweisspiratenfestival

Improvisation in der Musiknacht

Fachleute wissen es: „Improvisieren“ ist mehr als nur eine „Lebenseinstellung“, die man sich theoretisch aneignen kann. Improvisation ist vielmehr eine Art der Selbstformung, die man nur selbst lernen und trainieren kann. Jeder kann, nein, muss seine Improvisationen selbst einstudieren und programmieren.

Improvisation und Programm – ist das dann nicht an sich schon ein Widerspruch?
„Nein“, meint eine der Kuratorinnen dieser Sparte, Elisabeth Coudoux, „improvisierte Musik ist genau wie Jazz, Neue Musik und Elektronik eine aktuelle Spielhaltung, die flexibel und neugierig aktuelle Einflüsse und Themen aufgreift und verarbeitet. Dabei setzt Improvisierte Musik ein Höchstmaß an individueller Sprache, Entscheidungskraft, Kreativität und Flexibilität voraus.“

Passend bringt das Programmteam Improvisation nicht nur ein offenes Auge und ein geschultes Gehör mit, sondern auch die Fähigkeit der Abstraktion. Nach welchen Kriterien haben sie also ausgewählt? „Die Qualität der einzelnen Musiker/-innen, bzw. der Ensembles und innovative Ideen waren für uns ausschlaggebend. Wir wollten neue, interessante Ensembles einer starken Szene einem interessierten und breiten Publikum präsentieren“, erklärt Coudoux. „Improvisierte Musik ist eine kurzfristige Kunst, bei der es besonders wichtig ist, immer wieder neue Ideen umzusetzen und zu präsentieren. In der Auswahl für die Musiknacht haben wir dieser Haltung Raum gegeben.

Entstanden ist daraus eine gelungene Mischung aus starken Vertretern der aktuellen improvisierten Musik, die über die Kölner Grenzen hinaus bekannt sind. Alle haben die angebotenen Programme neu entwickelt: das Trio Cajlan-Wissel-Nillesen (WDR Funkhaus), Duo Omelchuk/Herzog (Kunst-Station Sankt Peter), STROM (Fritz-Thyssen Stiftung) und Carl Ludwig Hübsch mit seiner besonderen Tuba (HDAK-Kubus). Selbst der fünfte Vertreter der Sparte verweist schon mit seinem Ensemblenamen Dadavoodoo auf eine zumindest sehr ungewöhnliche Hommage an 100 Jahre Dada (Antoniterkirche).

Insgesamt beurteilt die Kuratorin die Entwicklung der freien Improvisation positiv, sieht diese aber in einem Spagat. Denn einerseits scheinen ihre Vertreter gegenüber dem musikalischen Mainstream immer mehr an Aufmerksamkeit und Interesse einzubüßen, andererseits wird die Szene immer reichhaltiger und vielzelliger, mit immer mehr Protagonisten. „Es ist nicht einfach, die erforschten Inhalte von Kunst und Musik einem Publikum auf abstrakten Wegen zu zeigen. Doch muss es nicht immer kompliziert sein. Im Moment vermischen sich zum Glück mehr und mehr die Stile“, findet Elisabeth Coudoux und verweist auf ein in Köln neu gegründetes, junges Kollektiv für freie Improvisation: IMPAKT (www.impakt-koeln.de.)

Wie schon die anderen Zusammenschlüsse in der Kölner Freien Musikszene hat sich auch dieses Kollektiv zum Ziel gesetzt, die Protagonisten der Improvisierten Musikszene in Köln zu vernetzen, Publikum dafür zu begeistern und Internationale Künstler nach Köln einzuladen. Auf der Onlineplattform und in einem Newsletter, werden alle Konzerte, die jeden Monat in Köln stattfinden und die besten Musiker der Welt präsentieren, regelmäßig gesammelt und angekündigt. Eine einmalige Gelegenheit, ein gutes Konzert in Köln zu erleben! Und das ist letztlich auch die Absicht der Programmgruppe Improvisation, dem Publikum neue musikalische Wege zu zeigen und für solche außergewöhnlichen Installationen und Improvisationen zu begeistern – und zwar auch außerhalb der Musiknacht, damit die verschiedenen Darbietungen der Improvisationskünstler aus dem Verborgenen herausgeholt werden.

MusicMovies 2016! Eine Kostprobe

Auf der Pressekonferenz zur Kölner Musiknacht gab es ein „Preview“ eines der MusicMovies, die derzeit im Rahmen der neuen Jugendworkshops zur Kölner Musiknacht entstehen. Hanna und Livia  haben mit einem Kurzfilm über das Forseti Quartett einen super ersten Aufschlag gemacht und wir freuen uns schon auf die nächsten kreativen Ideen. Alle MusicMovies über Ensembles der Kölner Musiknacht gibt es dann am 17. September um 18 Uhr im Kölnischen Kunstverein.

 

 

Chansons in allen Variationen    

2014, anlässlich der 10. Kölner Musiknacht mit dem Thema „unterwegs“ überraschte Lisa Glatz, eine der beiden Kuratorinnen der Sparte mit dem Arbeitstitel „Andere“, Fahrgäste der Kölner U-Bahn mit Gesang. Der von ihr zusammengestellte „Flashmobchor“ mit Sänger/-innen aus verschiedenen Chören und Vokalensembles warb mit der Darbietung verschiedener Evergreens für die Musiknacht. Wie Lisa Glatz gehört auch die zweite Kuratorin, Irene Kurka, zum „Urgestein“ der Freien Musikszene der Domstadt und damit auch der Institution Kölner Musiknacht. Mal als Sängerin, mal als Kuratorin, mal für beides engagiert sie sich – in diesem Jahr kuratieren die beiden gemeinsam die noch relativ junge Sparte, die intern unter dem Titel „Andere“ läuft.

Während in den vergangenen Jahren die Kombinationen Klassik/Romantik, bzw. Chöre/Orgel und teilweise auch Jazz/Improvisation unter diese Rubrik fielen und in der Zwischenzeit entweder zu einer eigenen Sparte heranwuchsen oder ganz rausgefallen sind, ist diesmal alles ein bisschen anders. „Aufgrund einer Vielzahl von Angeboten ergab es sich, das musikalische Angebot der Musiknacht auch auf Chansons im Crossover auszuweiten“, berichtet Irene Kurka und man merkt ihr die Freude an. Spannend fanden die beiden Kuratorinnen zudem, dass so unterschiedliche Projekte angeboten werden, in denen sich Musikgenres und Sparten überschneiden und die stilistisch auf den ersten Blick gar nicht zusammenzupassen scheinen. Denn überraschend gute Programmideen kommen aus dem Bereich Chanson/Kabarett und überzeugten mit einer oftmals theatralischem Facette.

Nachdem die Qual der Auswahl hinter ihnen lag, tat sich das Duo mit der Entscheidung nicht mehr schwer. „Wichtig war für uns, dass sich die Angebote als interessant erwiesen. Ausschlaggebend war uns ohnehin die Qualität des Programmangebotes und dass die Mischung ausgewogen ist.“ Sechs Angebote haben sich durchgesetzt, die unterschiedlicher kaum sein könnten.

Auf Jazz gemischt mit Chansons treffen die Besucher in „Reisefieber – eine musikalisch-literarische Reise im Orientexpress“ angeführt von der Jazz-Chanson-Sängerin mit polnisch-deutschen Wurzeln Margaux Kier. Einen dynamischen Cross-Over aus Musical, Jazz, Chanson und Pop bieten Gabi Schmidt und Philip Roesler mit „Noirrouge – zu schön für Jazz“, (beide Dom-Forum). Mit Annette Maye und Verena Guido haben sich noch zwei sehr profilierte Musikerinnen der Kölner Szene gefunden: Die frisch gebackene Preisträgerin des Künstlerinnenpreises NRW 2016, Annette Maye und Verena Guido, Sängerin der Band Ballhaus, zeigen mit großer Spielfreude vielfarbige Arrangements (Fritz Thyssen Stiftung). Natürlich darf kein Chansonprogramm auf Jacques Brel verzichten, dem die Sängerin Hildegard Meier, begleitet von Wolfgang Jaegers, Akkordeon huldigt (Käthe-Kollwitz Museum). Ohne den Bezug zum Original zu verlieren, interpretiert sie bekannte und weniger bekannte Chansons des Meisters mit je eigenem Charme und Ausdruck.

Unbekannte Chansons von bekannten Komponisten der goldenen 20er hat die Sängerin und Schauspielerin Anne Simmering „ausgegraben“. Zusammen mit dem Pianisten und Akkordeonisten Harald Rutar wird sie diese – auch auf ihrer Ukulele – gestalten (Aula der Kirche St. Aposteln). Und zur besten Sendezeit lädt Nicolai Pfeffer, der Meister der Klarinette, begleitet vom Pianisten Felix Wahl zu Brahms, Berg und Poulenc ein (WDR Funkhaus). Insgesamt verspricht die Sparte „Andere“ wieder eine bunte Mischung theatraler und kabarettistischer Interpretationen bekannter und unbekannter Chansons – nicht zuletzt auch in dem Bestreben, der Musiknacht auch diese Facette einzuverleiben und neue Besucher anzusprechen.

Neue Musik in der Musiknacht

Auch die Neue Musik, ebenso wie die „Alte“, hat in Köln eine starke Lobby. Die Kölner Gesellschaft für Neue Musik wurde nach einer ersten Gründung schon zu Beginn der 1920er Jahre und der Wiederbelebung nach dem Zweiten Weltkrieg 1981 bereits zum dritten Mal gegründet. Sie wollte schon immer und will noch immer das Interesse an Neuer Musik wecken und diese zur Aufführung bringen. Dasselbe Ziel hat ON – Neue Musik Köln, wobei der Schwerpunkt hier eher auf zeitgenössischer Musik liegt. ON ist aus einem bundesweiten Netwerk entstanden, mit ebenso großem Elan wie Etat gestartet und hat trotz Senkung der Mittel und dank kreativer Köpfe und Projekte in Köln einen festen Sitz etabliert. Der Stellenwert der Neuen Musik in der Stadt ist hoch. Auch Veranstaltungen wie die Acht Brücken zeigen das.

Kein Wunder also, dass acht Sets in der Musiknacht aus dem Bereich Neue Musik kommen und wir haben Carter Williams, Vertreter der Programmgruppe, gefragt, welches Konzert unerfahrenen Konzertbesuchern am wenigsten Angst machen könnte. Der denkt nicht lange nach und plädiert für „Bassmasse“, das Ensemble, das vor ein paar Jahren mit 50 und in diesem Jahr mit 13 Kontrabässen antritt. „Das wird beeindruckend auch für Leute, die sich mit Neuer Musik nicht so gut auskennen“, so Carter Williams.

„Überhaupt ist es großartig, dass die Musiknacht eine Plattform für ausgefallene Programme ist, die man sonst so nicht zu hören bekommt. Uns in der Programmgruppe begeistern Programmvorschläge, die wirklich neu sind und Stücke, die in Köln noch nicht aufgeführt wurden.“ Dazu gehören nicht nur Uraufführungen von zeitgenössischen Werken, sondern auch ‚schräge’ Programme, wie zum Beispiel das des Ensembles Tra i Tempi, das Kompositionen des exzentrischen Künstlers Julius Eastman präsentiert.

Die drei Komponisten, die in diesem Jahr über die Neue Musik -Auswahl in der Musiknacht entschieden haben, wollten eine gute Mischung aus eigenem Geschmack und Publikumsinteresse herstellen. Niemand ist frei von persönlichen Vorlieben – zum Glück, denn sonst hätte das ein oder andere Projekt der vergangenen Jahre vielleicht nicht stattgefunden.

Ensembles wie das Forseti Quartett stehen als Garant für gute Programme und haben deshalb schon mehrfach einen Platz im Musiknacht-Reigen bekommen. Udo Falkner, renommierter Pianist, spielt im WDR und findet auch dessen Zuspruch. Die Sopranistin Anna Herbst mit ihrem Ligeti Programm wurde den Programmgruppenmachern empfohlen, Michael Sattelberger spielt Orgelwerke von Dominik Susteck, der wiederum eine feste Größe in Köln ist und das Projektensemble 05 ist eine vom Landesmusikrat unterstützte Sondertruppe aus Profis und Laien, die seit 12 Jahren ausschließlich für die Musiknacht zusammenfindet und im Oberlandesgericht mit den Möglichkeiten des Treppenhauses spielt. „Auch das ist für das Publikum sehr interessant, weil es hier keine typische Konzertsituation, sondern immer eine ganz außergewöhnliche Performance gibt“, sagt Carter Williams. Das Duo Rosa/Kassl bietet eine außergewöhnliche Symbiose von Akkordeon und Blockflöte – für Neugierige sicher auch ein spannendes Programm.

Nach viel „Hin und Her und Diskussionen“ hat die Programmgruppe Neue Musik wieder ein gutes Händchen für eine äußerst facettenreiche Darstellung der Szene bewiesen. Wenn man sich die einzelnen Sets anschaut, bekommt man wirklich Lust hinzugehen – auch wenn man eigentlich Klassik-Freak ist.

Jazz in der Musiknacht

Eine quicklebendige Szene und Fangemeinde hat der Jazz in Köln. Im magischen Dreieck zwischen WDR, Hochschule für Musik und Tanz und dem Stadtgarten finden immer wieder tolle Konzerte statt und neben den international renommierten „Stars“ wachsen zahlreiche neue Talente nach. Trotzdem ist es für Jazzmusiker/-innen nicht leicht, sich gegen den musikalischen Mainstream zu behaupten und spielen zu können. Auch die jüngst erschienene Studie des Jazzinstituts Darmstadt zur Überlebenssituation der Jazzmusiker zeigt einmal mehr, dass das finanzielle Überleben schwierig ist. Dennoch beurteilt die Programmgruppe Jazz im Team der Kölner Musiknacht – bestehend aus Ulla Oster, Shannon Barnett und Stefan Karl Schmid – die Entwicklung insgesamt positiv: „Die Jazzszene in Köln ist relativ groß, vielschichtig und lebendig. Sie hat sich in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt. Das spielerische Niveau ist sehr hoch.“

Viele Ensembles haben sich auch in diesem Jahr für einen Auftritt in der Kölner Musiknacht beworben. So meldete der Jazzer Jonas Stuppin seine Band Morph Quartett (in der Fritz Thyssen-Stiftung zu hören) für die Musiknacht mit dem Hinweis an, wie schwer es für junge Bands sei, in Köln Auftrittsmöglichkeiten zu finden. Entscheidend für die Auswahl der neun vertretenen Ensembles war jedoch für Ulla Oster und ihre Kollegen, was ihnen gefiel: „Uns war wichtig, dass die Musik originell, interessant und dazu handwerklich gut gemacht ist. In der Beurteilung waren wir uns dann schnell einig.“

Und in der Tat gibt es nicht nur musikalisch Überraschendes. Bei dem Ensemble „Of Cabbages and Kings“ (oben im Bild) ist schon die unkonventionelle Zusammensetzung eine echte Neuheit: Vier ausdrucksstarke Jazz-Sängerinnen werden von einem ausgezeichneten Instrumentaltrio (Klavier, Kontrabass und Schlagzeug) begleitet, während sie ihre spannenden und abwechslungsreichen Eigenkompositionen vortragen (Auftrittsort WDR). Das Spektrum reicht von freier Bandimprovisation zu vorgefertigten Linien, von acapella-Arrangements bis hin zur Stimme als reines Begleitinstrument für die Band.

Andererseits begeistert das neue Trio des Pianisten Jürgen Friedrich mit David Helm am Bass und dem gefragten Nachwuchstalent Fabian Arens am Schlagzeug mit seinem Debutalbum „Reboot“ (zu hören im C. Bechstein Centrum Köln). Tief verwurzelt im Jazz, kombinieren die Musiker alten Blues mit Musik des 20. Jahrhunderts und überzeugten so die Programmgruppe für den Live-Auftritt in der Musiknacht.

Die übrigen Ensembles sind: Margeaux und die Banditen sowie Noirrouge (Dom-Forum), Oliver Lutz Quintett sowie Nice Keys (Kölnischer Kunstverein), Müller & Wiberny (Kunst-Station Sankt Peter) und Westinato (Museum für Angewandte Kunst).

Auch in diesem Punkt sind sich die Mitglieder der Programmgruppe Jazz einig: Die wichtige Unterstützung der Stadt Köln in Bezug auf den Jazz ist zwar besser geworden, aber das mediale Interesse und die Darstellung durch Vorankündigungen, Konzertberichte etc. könnte deutlich stärker ausfallen. Denn das Publikum für Jazz ist da. Fazit: Freunde von gutem handgemachtem Jazz können sich schon jetzt auf die Darbietungen in der Musiknacht freuen.

Eine quicklebendige Szene und Fangemeinde hat der Jazz in Köln. Im magischen Dreieck zwischen WDR, Hochschule für Musik und Tanz und dem Stadtgarten finden immer wieder tolle Konzerte statt und neben den international renommierten „Stars“ wachsen zahlreiche neue Talente nach. Trotzdem ist es für Jazzmusiker/-innen nicht leicht, sich gegen den musikalischen Mainstream zu behaupten und spielen zu können. Auch die jüngst erschienene Studie des Jazzinstituts Darmstadt zur Überlebenssituation der Jazzmusiker zeigt einmal mehr, dass das finanzielle Überleben schwierig ist. Dennoch beurteilt die Programmgruppe Jazz im Team der Kölner Musiknacht – bestehend aus Ulla Oster, Shannon Barnett und Stefan Karl Schmid – die Entwicklung insgesamt positiv: „Die Jazzszene in Köln ist relativ groß, vielschichtig und lebendig. Sie hat sich in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt. Das spielerische Niveau ist sehr hoch.“

Viele Ensembles haben sich auch in diesem Jahr für einen Auftritt in der Kölner Musiknacht beworben. So meldete der Jazzer Jonas Stuppin seine Band Morph Quartett (in der Fritz Thyssen-Stiftung zu hören) für die Musiknacht mit dem Hinweis an, wie schwer es für junge Bands sei, in Köln Auftrittsmöglichkeiten zu finden. Entscheidend für die Auswahl der neun vertretenen Ensembles war jedoch für Ulla Oster und ihre Kollegen, was ihnen gefiel: „Uns war wichtig, dass die Musik originell, interessant und dazu handwerklich gut gemacht ist. In der Beurteilung waren wir uns dann schnell einig.“

Und in der Tat gibt es nicht nur musikalisch Überraschendes. Bei dem Ensemble „Of Cabbages and Kings“ (oben im Bild) ist schon die unkonventionelle Zusammensetzung eine echte Neuheit: Vier ausdrucksstarke Jazz-Sängerinnen werden von einem ausgezeichneten Instrumentaltrio (Klavier, Kontrabass und Schlagzeug) begleitet, während sie ihre spannenden und abwechslungsreichen Eigenkompositionen vortragen (Auftrittsort WDR). Das Spektrum reicht von freier Bandimprovisation zu vorgefertigten Linien, von acapella-Arrangements bis hin zur Stimme als reines Begleitinstrument für die Band.

Andererseits begeistert das neue Trio des Pianisten Jürgen Friedrich mit David Helm am Bass und dem gefragten Nachwuchstalent Fabian Arens am Schlagzeug mit seinem Debutalbum „Reboot“ (zu hören im C. Bechstein Centrum Köln). Tief verwurzelt im Jazz, kombinieren die Musiker alten Blues mit Musik des 20. Jahrhunderts und überzeugten so die Programmgruppe für den Live-Auftritt in der Musiknacht.

Die übrigen Ensembles sind: Margeaux und die Banditen sowie Noirrouge (Dom-Forum), Oliver Lutz Quintett sowie Nice Keys (Kölnischer Kunstverein), Müller & Wiberny (Kunst-Station Sankt Peter) und Westinato (Museum für Angewandte Kunst).

Auch in diesem Punkt sind sich die Mitglieder der Programmgruppe Jazz einig: Die wichtige Unterstützung der Stadt Köln in Bezug auf den Jazz ist zwar besser geworden, aber das mediale Interesse und die Darstellung durch Vorankündigungen, Konzertberichte etc. könnte deutlich stärker ausfallen. Denn das Publikum für Jazz ist da. Fazit: Freunde von gutem handgemachtem Jazz können sich schon jetzt auf die Darbietungen in der Musiknacht freuen.

Elektronische Musik in der Musiknacht

Was genau ist eigentlich elektronische Musik, fragen wir uns und Frank Dommert aus der entsprechenden Programmgruppe, die die Sparte in der Musiknacht kuratiert hat. Schaut man bei Wikipedia, so erfährt man erst einmal ganz allgemein, dass es sich hier um Musik handelt, die durch elektronische Klangerzeuger hergestellt und mit Hilfe von Lautsprechern wiedergegeben wird. Also Popmusik? So was wie Kraftwerk und Can, oder eher Techno?

Frank Dommert erklärt uns, dass das, was in der Musiknacht zu hören ist, damit nun wirklich gar nichts zu tun hat. Irgendwo zwischen Medienkunst und Neuer Musik ist die Sparte „Elektronik“ anzusiedeln und sie bezeichnet eine große Bandbreite experimenteller Musikrichtungen, die sich eigentlich nur schwer in einen Topf werfen lassen. Gemeinsam ist den Musiknacht-Sets vielleicht das spielerische Element. Alle Ensembles spielen mit den Möglichkeiten elektronischer Geräte, die sowohl der Verfremdung von Klängen als auch der Verstärkung und dem sogenannten ‚Sounddesign’, also dem kreativen Umgang mit Klängen und Geräuschen, dienen.

Da muss man sich drauf einlassen und die Szene derer, die das tun, ist offen für Experimente. Sie organisiert sich, so Frank Dommert, in eigenen Netzwerken und ist eher international als lokal miteinander verbunden. Dommert weiß das auch aus seiner Arbeit in seinem Plattenladen, dem a-Musik recordshop in der Kölner Innenstadt, der sich auf elektronische Musik spezialisiert hat.

Für die Musiknacht hat er gemeinsam mit Dietmar Bonnen vier aktuelle Kölner Programme ausgesucht.

electronic ID war schon im letzten Jahr dabei und wird sich diesmal mit technischem Equipment so richtig austoben. Ghettoblaster, Videos und Lichteffekte im abgedunkelten Raum machen die vier Stücke („Paranoid Android“ von Sergej Maingardt, „OPERATION ENOK“ von Maximilian Marcoll, „abschminken“ von Brigitta Muntendorf und „On and Off“ von Joanna Bailie) zu spannenden Performances. electronic ID wurde im Frühjahr 2014 von Studierenden der Jazz-, Klassik- und neue-Musik-Abteilungen der Hochschule für Musik und Tanz Köln und der Folkwang Universität der Künste Essen gegründet und versteht sich als ein junges Ensemble mit Schwerpunkt auf der Interpretation intermedialer Musik des 21. Jahrhunderts.

Der Posaunist Andreas Schickentanz präsentiert ein Soloprogramm, in dem er mit elektronischen Effekt-Geräten den Klang seines Instruments variiert und verfremdet. Er selbst spricht dabei von einer interessanten Erweiterung des Klangspektrums. Dabei entstehen ganze Klangschichten, aber auch kollagenartige Effekte und Loops. Einen super Eindruck verschafft das Video zum Programm.

„2+2=3“ sind Joker Nies (custom made electronics), Georg Wissel (präpariertes Saxophon) und Paul Lytton (Percussion). Alle drei kommen aus der Improvisierten Musik, die hin und wieder Schnittmengen mit der Elektronik bildet. Joker Nies ist Fachmann für Circuit Bending, eine Musikkunst, in der Geräte mit niedriger elektronischer Spannung durch Kurzschließen zu Klängen gebracht werden. Nies nimmt Geräte auseinander und experimentiert mit Objekten aller Art. Keine Sorge – es besteht keine Gefahr! Georg Wissel nutzt verschiedenste Utensilien zur Präparation seines Saxophons und entlockt ihm ungewöhnliche Sounds während Paul Lytton Gegenstände aus dem Haushalt mit Percussion-Instrumenten kombiniert und damit überraschende akustische Effekte erzielt.

Autistikits ist eine Truppe junger Musiker auf der Suche nach immer neuen Klängen, künstlerischen Kooperationen und Auftrittsmöglichkeiten. Sie definieren sich selbst als Ensemble an der Schnittstelle von bildender Kunst, Film und Experiment und haben eine besondere Beziehung zu zeitgenössischer Kunst, insbesondere Graffiti. Was einen musikalisch erwartet, ist schwer zu beschreiben und wahrscheinlich gilt hier: Einfach hingehen und ausprobieren…

 

Alte Musik in der Musiknacht

Die Alte Musik ist in Köln wirklich gut vertreten. Es gibt eine Konzertreihe, ein Festival, eine Gesellschaft und ein Zentrum für Alte Musik. Und viele, viele großartige Musikerinnen und Musiker, die sich dieser Sparte zugehörig fühlen. Wie aber finden die in der Musiknacht ihre Nische?

Katja Dolainski, Mitglied der Programmgruppe „Alte Musik“, die für die Auswahl der Sets in der Kölner Musiknacht verantwortlich ist „Alte Musik in der Musiknacht“ weiterlesen