Chansons in allen Variationen    

Die Hornbacher_Anne Simmering 1 _foto Mike Kleinen

2014, anlässlich der 10. Kölner Musiknacht mit dem Thema „unterwegs“ überraschte Lisa Glatz, eine der beiden Kuratorinnen der Sparte mit dem Arbeitstitel „Andere“, Fahrgäste der Kölner U-Bahn mit Gesang. Der von ihr zusammengestellte „Flashmobchor“ mit Sänger/-innen aus verschiedenen Chören und Vokalensembles warb mit der Darbietung verschiedener Evergreens für die Musiknacht. Wie Lisa Glatz gehört auch die zweite Kuratorin, Irene Kurka, zum „Urgestein“ der Freien Musikszene der Domstadt und damit auch der Institution Kölner Musiknacht. Mal als Sängerin, mal als Kuratorin, mal für beides engagiert sie sich – in diesem Jahr kuratieren die beiden gemeinsam die noch relativ junge Sparte, die intern unter dem Titel „Andere“ läuft.

Während in den vergangenen Jahren die Kombinationen Klassik/Romantik, bzw. Chöre/Orgel und teilweise auch Jazz/Improvisation unter diese Rubrik fielen und in der Zwischenzeit entweder zu einer eigenen Sparte heranwuchsen oder ganz rausgefallen sind, ist diesmal alles ein bisschen anders. „Aufgrund einer Vielzahl von Angeboten ergab es sich, das musikalische Angebot der Musiknacht auch auf Chansons im Crossover auszuweiten“, berichtet Irene Kurka und man merkt ihr die Freude an. Spannend fanden die beiden Kuratorinnen zudem, dass so unterschiedliche Projekte angeboten werden, in denen sich Musikgenres und Sparten überschneiden und die stilistisch auf den ersten Blick gar nicht zusammenzupassen scheinen. Denn überraschend gute Programmideen kommen aus dem Bereich Chanson/Kabarett und überzeugten mit einer oftmals theatralischem Facette.

Nachdem die Qual der Auswahl hinter ihnen lag, tat sich das Duo mit der Entscheidung nicht mehr schwer. „Wichtig war für uns, dass sich die Angebote als interessant erwiesen. Ausschlaggebend war uns ohnehin die Qualität des Programmangebotes und dass die Mischung ausgewogen ist.“ Sechs Angebote haben sich durchgesetzt, die unterschiedlicher kaum sein könnten.

Auf Jazz gemischt mit Chansons treffen die Besucher in „Reisefieber – eine musikalisch-literarische Reise im Orientexpress“ angeführt von der Jazz-Chanson-Sängerin mit polnisch-deutschen Wurzeln Margaux Kier. Einen dynamischen Cross-Over aus Musical, Jazz, Chanson und Pop bieten Gabi Schmidt und Philip Roesler mit „Noirrouge – zu schön für Jazz“, (beide Dom-Forum). Mit Annette Maye und Verena Guido haben sich noch zwei sehr profilierte Musikerinnen der Kölner Szene gefunden: Die frisch gebackene Preisträgerin des Künstlerinnenpreises NRW 2016, Annette Maye und Verena Guido, Sängerin der Band Ballhaus, zeigen mit großer Spielfreude vielfarbige Arrangements (Fritz Thyssen Stiftung). Natürlich darf kein Chansonprogramm auf Jacques Brel verzichten, dem die Sängerin Hildegard Meier, begleitet von Wolfgang Jaegers, Akkordeon huldigt (Käthe-Kollwitz Museum). Ohne den Bezug zum Original zu verlieren, interpretiert sie bekannte und weniger bekannte Chansons des Meisters mit je eigenem Charme und Ausdruck.

Unbekannte Chansons von bekannten Komponisten der goldenen 20er hat die Sängerin und Schauspielerin Anne Simmering „ausgegraben“. Zusammen mit dem Pianisten und Akkordeonisten Harald Rutar wird sie diese – auch auf ihrer Ukulele – gestalten (Aula der Kirche St. Aposteln). Und zur besten Sendezeit lädt Nicolai Pfeffer, der Meister der Klarinette, begleitet vom Pianisten Felix Wahl zu Brahms, Berg und Poulenc ein (WDR Funkhaus). Insgesamt verspricht die Sparte „Andere“ wieder eine bunte Mischung theatraler und kabarettistischer Interpretationen bekannter und unbekannter Chansons – nicht zuletzt auch in dem Bestreben, der Musiknacht auch diese Facette einzuverleiben und neue Besucher anzusprechen.

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