Elektronische Musik in der Musiknacht

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Was genau ist eigentlich elektronische Musik, fragen wir uns und Frank Dommert aus der entsprechenden Programmgruppe, die die Sparte in der Musiknacht kuratiert hat. Schaut man bei Wikipedia, so erfährt man erst einmal ganz allgemein, dass es sich hier um Musik handelt, die durch elektronische Klangerzeuger hergestellt und mit Hilfe von Lautsprechern wiedergegeben wird. Also Popmusik? So was wie Kraftwerk und Can, oder eher Techno?

Frank Dommert erklärt uns, dass das, was in der Musiknacht zu hören ist, damit nun wirklich gar nichts zu tun hat. Irgendwo zwischen Medienkunst und Neuer Musik ist die Sparte „Elektronik“ anzusiedeln und sie bezeichnet eine große Bandbreite experimenteller Musikrichtungen, die sich eigentlich nur schwer in einen Topf werfen lassen. Gemeinsam ist den Musiknacht-Sets vielleicht das spielerische Element. Alle Ensembles spielen mit den Möglichkeiten elektronischer Geräte, die sowohl der Verfremdung von Klängen als auch der Verstärkung und dem sogenannten ‚Sounddesign’, also dem kreativen Umgang mit Klängen und Geräuschen, dienen.

Da muss man sich drauf einlassen und die Szene derer, die das tun, ist offen für Experimente. Sie organisiert sich, so Frank Dommert, in eigenen Netzwerken und ist eher international als lokal miteinander verbunden. Dommert weiß das auch aus seiner Arbeit in seinem Plattenladen, dem a-Musik recordshop in der Kölner Innenstadt, der sich auf elektronische Musik spezialisiert hat.

Für die Musiknacht hat er gemeinsam mit Dietmar Bonnen vier aktuelle Kölner Programme ausgesucht.

electronic ID war schon im letzten Jahr dabei und wird sich diesmal mit technischem Equipment so richtig austoben. Ghettoblaster, Videos und Lichteffekte im abgedunkelten Raum machen die vier Stücke („Paranoid Android“ von Sergej Maingardt, „OPERATION ENOK“ von Maximilian Marcoll, „abschminken“ von Brigitta Muntendorf und „On and Off“ von Joanna Bailie) zu spannenden Performances. electronic ID wurde im Frühjahr 2014 von Studierenden der Jazz-, Klassik- und neue-Musik-Abteilungen der Hochschule für Musik und Tanz Köln und der Folkwang Universität der Künste Essen gegründet und versteht sich als ein junges Ensemble mit Schwerpunkt auf der Interpretation intermedialer Musik des 21. Jahrhunderts.

Der Posaunist Andreas Schickentanz präsentiert ein Soloprogramm, in dem er mit elektronischen Effekt-Geräten den Klang seines Instruments variiert und verfremdet. Er selbst spricht dabei von einer interessanten Erweiterung des Klangspektrums. Dabei entstehen ganze Klangschichten, aber auch kollagenartige Effekte und Loops. Einen super Eindruck verschafft das Video zum Programm.

„2+2=3“ sind Joker Nies (custom made electronics), Georg Wissel (präpariertes Saxophon) und Paul Lytton (Percussion). Alle drei kommen aus der Improvisierten Musik, die hin und wieder Schnittmengen mit der Elektronik bildet. Joker Nies ist Fachmann für Circuit Bending, eine Musikkunst, in der Geräte mit niedriger elektronischer Spannung durch Kurzschließen zu Klängen gebracht werden. Nies nimmt Geräte auseinander und experimentiert mit Objekten aller Art. Keine Sorge – es besteht keine Gefahr! Georg Wissel nutzt verschiedenste Utensilien zur Präparation seines Saxophons und entlockt ihm ungewöhnliche Sounds während Paul Lytton Gegenstände aus dem Haushalt mit Percussion-Instrumenten kombiniert und damit überraschende akustische Effekte erzielt.

Autistikits ist eine Truppe junger Musiker auf der Suche nach immer neuen Klängen, künstlerischen Kooperationen und Auftrittsmöglichkeiten. Sie definieren sich selbst als Ensemble an der Schnittstelle von bildender Kunst, Film und Experiment und haben eine besondere Beziehung zu zeitgenössischer Kunst, insbesondere Graffiti. Was einen musikalisch erwartet, ist schwer zu beschreiben und wahrscheinlich gilt hier: Einfach hingehen und ausprobieren…

 

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