Im Fokus – Das Edelweißpiratenfestival

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Die Veranstalter der Kölner Musiknacht möchten jedes Jahr eine Initiative der Kölner Musikszene in den Fokus stellen und machen in dieser Ausgabe mit dem Edelweißpiratenfestival einen Anfang. Wir haben mit Jan Krauthäuser, dem Vorstand des Edelweißpiratenclubs e.V., gesprochen.

– Seit wann bist du im IFM aktiv?

Im IFM selbst, also ausserhalb der KMN-Programmgruppe, bin ich erst seit circa einem Jahr aktiv. Ich bin Mitglied der Konzept-Gruppe, die versucht, neue Perspektiven zu entwickeln. Ich glaube, dass gerade die freie Musikszene eine enormes Wirkungs-Potential für das Wohlergehen dieser Stadt hat. Dieses Potential ist bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Deshalb lohnt es sich, für bessere Rahmenbedingungen zu kämpfen.

– Warst du von Anfang an Mitglied in der Programmgruppe Weltmusik bzw. seit wann gibt es die Sparte?

Ja. Ich bin vor fünf oder sechs Jahren von der Musiknacht-Leitung gefragt worden, ob ich Lust hätte bei der neuen Programmgruppe Weltmusik mitzuwirken. Ich habe mich gefreut, dass man der musikalischen Vielfalt mehr Aufmerksam widmen wollte und habe gern zugesagt. Auch weil ich die Musiknacht bis dahin als etwas zu elitär oder verkopft wahrgenommen habe. Gemeinsam mit meiner Kollegin Alexandra Kalka habe ich deshalb auch eine sehr offene Definition von Weltmusik vertreten, von iranischer Klassik über afrikanischem Pop bis zu kölschem Folk…

– Welche Bedeutung hat die Weltmusik in einer Stadt wie Köln?

Die sogenannte Weltmusik ist für Köln in vieler Hinsicht wichtig. Einerseits verbessert sie das soziale und kulturelle Klima innerhalb der Stadt. Andererseits verleiht sie Köln den Klang einer weltoffenen Metropole. Es gibt nicht wenige Zugereiste, für die die Worldmusic-Szene ein wichtiges Argument war, in Köln zu bleiben. Der Schriftsteller Navid Kermany erwähnte das übrigens kürzlich in einem Stadtrevue-Interview. Gerade die mitgebrachte Popularmusik – traditionelle wie moderne – begünstigt einen direkten, emotionalen Kontakt zwischen sehr unterschiedlichen Bürgern. Und Vielfalt ist zudem natürlich immer ein ganz wichtiger Innovationsmotor.

Musik war eigentlich schon immer Weltmusik. Denn Musiker sind seit Jahrtausenden von Ort zu Ort gezogen und haben den Kultur- und Informations-Austausch ganz wesentlich vorangebracht. In Europa ist das seit Jahrhunderten u.a. die Domäne der Zigeunermusiker, deren ganzheitliches Wissen und Können leider zu verschwinden droht. Deshalb arbeite ich zur Zeit mit Kölner Zigeunerkünstlern an Gegenstrategien. Für sie ist die Musiknacht eine wichtige Plattform.

– Erzähle uns etwas über das Edelweißpiratenfestival.

Das Edelweißpiratenfestival ist als Fortführung eines Musikprojektes des NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln entstanden. Wir hatten damals überwiegend junge Kölner Musiker beauftragt, die alten Edelweißpiratenlieder neu zu interpretieren. Wir haben sie dafür mit den letzten lebenden Zeitzeugen zusammengebracht. Diese Kooperationen waren so inspirierend, dass wir das verstetigen wollten. Das Festival sollte einerseits zur Rehabilitation der mutigen und musikbegeisterten „Antihitlerjugend“ beitragen. Andererseits bot es die Möglichkeit, diese Bewegung als Vorbild für eine weltoffene Heimatkultur zu nutzen, in der Musik mal nicht nach Genre oder Moden sortiert wird, sondern sich einem wichtigen regionalen Thema widmet. Dem erklärten Ziel, das Andenken der Edelweißpiraten im Brauchtum zu verankern, sind wir durch unser jährliches Festival und viele flankierende Maßnahmen schon recht nahe gekommen.

– Wie kam es zu der Kooperation mit der Kölner Musiknacht?

Ich habe bei der Diskussion über die Entwicklung der Musiknacht für eine weitere Öffnung sowie inhaltliche Schwerpunkte plädiert. Prompt hat mich Maria Spering gefragt, ob ich nicht eines „meiner“ Projekte einbringen wolle. So haben wir dann der IFM AG Entwicklung der Musiknacht das Edelweißpiratenfestival-Special vorgeschlagen. Insbesondere auch, weil es viele junge, unangepasste Musikfans mobilisieren kann. Obwohl oder weil es nicht nur multikulturell, sondern auch intergenerativ funktioniert. Immerhin pilgern seit nunmehr elf Jahren jeden Sommer um die 5.000 Menschen in den Friedenspark und werden immer wieder von der unerschöpflichen Vielfalt der Kölner Musikszene begeistert. Dazu kommen natürlich auch Informationen zu den Edelweißpiraten und verwandten Themen. Dank der Unterstützung des LVR können wir unser Festival neuerdings sogar mit einem CD-Buch dokumentieren, das wir auch im VHS-Forum vorstellen werden.

Weiterführende Informationen: www.facebook.com/Edelweisspiratenfestival

2 Gedanken zu „Im Fokus – Das Edelweißpiratenfestival“

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