Improvisation in der Musiknacht

CAJLAN_WISSEL_NILLESEN, photo G.Wissel

Fachleute wissen es: „Improvisieren“ ist mehr als nur eine „Lebenseinstellung“, die man sich theoretisch aneignen kann. Improvisation ist vielmehr eine Art der Selbstformung, die man nur selbst lernen und trainieren kann. Jeder kann, nein, muss seine Improvisationen selbst einstudieren und programmieren.

Improvisation und Programm – ist das dann nicht an sich schon ein Widerspruch?
„Nein“, meint eine der Kuratorinnen dieser Sparte, Elisabeth Coudoux, „improvisierte Musik ist genau wie Jazz, Neue Musik und Elektronik eine aktuelle Spielhaltung, die flexibel und neugierig aktuelle Einflüsse und Themen aufgreift und verarbeitet. Dabei setzt Improvisierte Musik ein Höchstmaß an individueller Sprache, Entscheidungskraft, Kreativität und Flexibilität voraus.“

Passend bringt das Programmteam Improvisation nicht nur ein offenes Auge und ein geschultes Gehör mit, sondern auch die Fähigkeit der Abstraktion. Nach welchen Kriterien haben sie also ausgewählt? „Die Qualität der einzelnen Musiker/-innen, bzw. der Ensembles und innovative Ideen waren für uns ausschlaggebend. Wir wollten neue, interessante Ensembles einer starken Szene einem interessierten und breiten Publikum präsentieren“, erklärt Coudoux. „Improvisierte Musik ist eine kurzfristige Kunst, bei der es besonders wichtig ist, immer wieder neue Ideen umzusetzen und zu präsentieren. In der Auswahl für die Musiknacht haben wir dieser Haltung Raum gegeben.

Entstanden ist daraus eine gelungene Mischung aus starken Vertretern der aktuellen improvisierten Musik, die über die Kölner Grenzen hinaus bekannt sind. Alle haben die angebotenen Programme neu entwickelt: das Trio Cajlan-Wissel-Nillesen (WDR Funkhaus), Duo Omelchuk/Herzog (Kunst-Station Sankt Peter), STROM (Fritz-Thyssen Stiftung) und Carl Ludwig Hübsch mit seiner besonderen Tuba (HDAK-Kubus). Selbst der fünfte Vertreter der Sparte verweist schon mit seinem Ensemblenamen Dadavoodoo auf eine zumindest sehr ungewöhnliche Hommage an 100 Jahre Dada (Antoniterkirche).

Insgesamt beurteilt die Kuratorin die Entwicklung der freien Improvisation positiv, sieht diese aber in einem Spagat. Denn einerseits scheinen ihre Vertreter gegenüber dem musikalischen Mainstream immer mehr an Aufmerksamkeit und Interesse einzubüßen, andererseits wird die Szene immer reichhaltiger und vielzelliger, mit immer mehr Protagonisten. „Es ist nicht einfach, die erforschten Inhalte von Kunst und Musik einem Publikum auf abstrakten Wegen zu zeigen. Doch muss es nicht immer kompliziert sein. Im Moment vermischen sich zum Glück mehr und mehr die Stile“, findet Elisabeth Coudoux und verweist auf ein in Köln neu gegründetes, junges Kollektiv für freie Improvisation: IMPAKT (www.impakt-koeln.de.)

Wie schon die anderen Zusammenschlüsse in der Kölner Freien Musikszene hat sich auch dieses Kollektiv zum Ziel gesetzt, die Protagonisten der Improvisierten Musikszene in Köln zu vernetzen, Publikum dafür zu begeistern und Internationale Künstler nach Köln einzuladen. Auf der Onlineplattform und in einem Newsletter, werden alle Konzerte, die jeden Monat in Köln stattfinden und die besten Musiker der Welt präsentieren, regelmäßig gesammelt und angekündigt. Eine einmalige Gelegenheit, ein gutes Konzert in Köln zu erleben! Und das ist letztlich auch die Absicht der Programmgruppe Improvisation, dem Publikum neue musikalische Wege zu zeigen und für solche außergewöhnlichen Installationen und Improvisationen zu begeistern – und zwar auch außerhalb der Musiknacht, damit die verschiedenen Darbietungen der Improvisationskünstler aus dem Verborgenen herausgeholt werden.

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