Neue Musik in der Musiknacht

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Auch die Neue Musik, ebenso wie die „Alte“, hat in Köln eine starke Lobby. Die Kölner Gesellschaft für Neue Musik wurde nach einer ersten Gründung schon zu Beginn der 1920er Jahre und der Wiederbelebung nach dem Zweiten Weltkrieg 1981 bereits zum dritten Mal gegründet. Sie wollte schon immer und will noch immer das Interesse an Neuer Musik wecken und diese zur Aufführung bringen. Dasselbe Ziel hat ON – Neue Musik Köln, wobei der Schwerpunkt hier eher auf zeitgenössischer Musik liegt. ON ist aus einem bundesweiten Netwerk entstanden, mit ebenso großem Elan wie Etat gestartet und hat trotz Senkung der Mittel und dank kreativer Köpfe und Projekte in Köln einen festen Sitz etabliert. Der Stellenwert der Neuen Musik in der Stadt ist hoch. Auch Veranstaltungen wie die Acht Brücken zeigen das.

Kein Wunder also, dass acht Sets in der Musiknacht aus dem Bereich Neue Musik kommen und wir haben Carter Williams, Vertreter der Programmgruppe, gefragt, welches Konzert unerfahrenen Konzertbesuchern am wenigsten Angst machen könnte. Der denkt nicht lange nach und plädiert für „Bassmasse“, das Ensemble, das vor ein paar Jahren mit 50 und in diesem Jahr mit 13 Kontrabässen antritt. „Das wird beeindruckend auch für Leute, die sich mit Neuer Musik nicht so gut auskennen“, so Carter Williams.

„Überhaupt ist es großartig, dass die Musiknacht eine Plattform für ausgefallene Programme ist, die man sonst so nicht zu hören bekommt. Uns in der Programmgruppe begeistern Programmvorschläge, die wirklich neu sind und Stücke, die in Köln noch nicht aufgeführt wurden.“ Dazu gehören nicht nur Uraufführungen von zeitgenössischen Werken, sondern auch ‚schräge’ Programme, wie zum Beispiel das des Ensembles Tra i Tempi, das Kompositionen des exzentrischen Künstlers Julius Eastman präsentiert.

Die drei Komponisten, die in diesem Jahr über die Neue Musik -Auswahl in der Musiknacht entschieden haben, wollten eine gute Mischung aus eigenem Geschmack und Publikumsinteresse herstellen. Niemand ist frei von persönlichen Vorlieben – zum Glück, denn sonst hätte das ein oder andere Projekt der vergangenen Jahre vielleicht nicht stattgefunden.

Ensembles wie das Forseti Quartett stehen als Garant für gute Programme und haben deshalb schon mehrfach einen Platz im Musiknacht-Reigen bekommen. Udo Falkner, renommierter Pianist, spielt im WDR und findet auch dessen Zuspruch. Die Sopranistin Anna Herbst mit ihrem Ligeti Programm wurde den Programmgruppenmachern empfohlen, Michael Sattelberger spielt Orgelwerke von Dominik Susteck, der wiederum eine feste Größe in Köln ist und das Projektensemble 05 ist eine vom Landesmusikrat unterstützte Sondertruppe aus Profis und Laien, die seit 12 Jahren ausschließlich für die Musiknacht zusammenfindet und im Oberlandesgericht mit den Möglichkeiten des Treppenhauses spielt. „Auch das ist für das Publikum sehr interessant, weil es hier keine typische Konzertsituation, sondern immer eine ganz außergewöhnliche Performance gibt“, sagt Carter Williams. Das Duo Rosa/Kassl bietet eine außergewöhnliche Symbiose von Akkordeon und Blockflöte – für Neugierige sicher auch ein spannendes Programm.

Nach viel „Hin und Her und Diskussionen“ hat die Programmgruppe Neue Musik wieder ein gutes Händchen für eine äußerst facettenreiche Darstellung der Szene bewiesen. Wenn man sich die einzelnen Sets anschaut, bekommt man wirklich Lust hinzugehen – auch wenn man eigentlich Klassik-Freak ist.

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